Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Münster

Die Staatsanwaltschaft Münster hat nach Abschluss der Ermittlungen gegen den 28-jährigen Freund der am 20.02.2017 in Recke getöteten jungen Frau Anklage wegen versuchten Mordes (zusammentreffend mit gefährlicher Körperverletzung) sowie wegen Mordes erhoben.

Nach den durchgeführten Ermittlungen führten der Angeschuldigte und das 23-jährige Tatopfer spätestens seit November 2016 eine intime Beziehung. Anders als seine Partnerin war der Angeschuldigte nach den vorliegenden Erkenntnissen in dieser Zeit erwerbslos, verfügte über keine eigenen Barmittel und bezog auch keine staatlichen Unterstützungsleistungen. Hierüber soll er seine Freundin, in deren Wohnung er zuletzt lebte, im Unklaren gelassen haben. Wahrscheinlich verdächtigte die 23-jährige den Angeschuldigten während eines gemeinsamen Urlaubs kurz vor der angeklagten Tat unberechtigt Zugriff auf ihr Konto genommen zu haben. Auch aufgrund dieses Verdachts soll die junge Frau den Entschluss gefasst haben, sich von dem Angeschuldigten - möglicherweise am 20.02.2017 - zu trennen. Der Angeschuldigte befürchte vermutlich, bei einem Ende der Beziehung ohne finanzielle Unterstützung und Unterkunft zu sein. In dieser Besorgnis und dem Verlangen, zukünftig die eigene wirtschaftliche Situation zu verbessern, sollen nach der Bewertung der Staatsanwaltschaft die Hauptmotive für die dem Angeschuldigten vorgeworfene Tötung liegen. Um nämlich nach ihrem Tod Zugriff auf das Konto seiner Freundin nehmen zu können, soll der Angeschuldigte zwei Tage vor der angeklagten Tat eine Briefsendung mit der neuen EC-Karte seiner Partnerin samt Geheimnummer abgefangen haben.

Dem Angeschuldigten wird vorgeworfen, diesen Tatentschluss am Morgen des 20.02.2017 umgesetzt zu haben. Er soll seine Freundin in ihrem Schlafzimmer in einem für sie überraschenden Moment derart stark gewürgt haben, dass sie leblos zusammenbrach. In der irrigen Annahme, seine Partnerin erwürgt zu haben, soll der Angeschuldigte anschließend die Wohnung verlassen und mit der zuvor an sich genommenen EC-Karte an einem nahegelegenen Bankautomaten rund 140,00 Euro von dem Konto der Frau abgehoben haben. Als der Angeschuldigte in die Wohnung zurückkehrte, soll er bemerkt haben, dass seine Freundin entgegen seiner Vorstellung noch lebte. Um nun zu verhindern, wegen des vorausgegangenen mutmaßlichen Tötungsversuchs und der vorgeworfenen unberechtigten Geldabhebung juristisch belangt zu werden, soll der Angeschuldigte erneut seine Partnerin am Hals gedrosselt haben, bis Puls und Atmung aussetzten. Der Angeschuldigte verständigte anschließend den Notarzt, soll keine Wiederbelebungsversuche unternommen und zudem in dem Notruf wahrheitswidrig behauptet haben, dass vermutlich eine unbekannte Person in die Wohnung seiner Freundin eingedrungen sei. Trotz der intensivmedizinischen Maßnahmen verstarb die 23-jährige junge Frau in einem nahegelegenen Krankenhaus.

Der Angeschuldigte hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe bestritten. Er hat angegeben, am 20.02.2017 morgens die gemeinsame Wohnung verlassen zu haben und dass zu diesem Zeitpunkt seine Freundin noch gelebt habe. Als er zurückgekehrt sei, habe die Wohnungstür offen gestanden und er habe seine Partnerin leblos im Schlafzimmer vorgefunden. Es habe sich bei der Freundschaft zu seiner Freundin um eine gegenseitige Liebesbeziehung gehandelt und von Trennungsgedanken habe er nichts gewusst.

Das Landgericht Münster hat über die Zulassung der Anklageschrift zu entscheiden.

Botzenhardt
Oberstaatsanwalt

 

Erläuterung:
Nach dem Vorwurf der Anklageschrift gliedert sich das angeklagte Geschehen in zwei Abschnitte. Das erste Geschehen (Mordversuch in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung) umfasst nach dem Inhalt der Anklageschrift die Mordmerkmale der Heimtücke, Habgier und der Absicht zur Ermöglichung einer anderen Straftat (hier: das laut Anklageschrift unberechtigte Abheben des Geldes von dem Konto der Getöteten).

Bei dem zweiten Teilakt nach der Rückkehr in die Wohnung geht die Staatsanwaltschaft von dem Mordmerkmal der Absicht zur Verdeckung einer anderen Straftat (hier: das vermutlich zuvor verübte versuchte Tötungsdelikt) aus.