Nach Brand in Dülmen: Anklage wegen versuchten Mordes, besonders schwerer Brandstiftung mit versuchter Todesfolge und versuchten Betruges

 

Die Staatsanwaltschaft Münster hat nach einem Brandgeschehen am 22. April 2016 in Dülmen Anklage gegen einen 47-jährigen damaligen Bewohner des betroffenen Mehrfamilienhauses erhoben.

Dem Angeschuldigten wird vorgeworfen, in der von ihm angemieteten Wohnung im zweiten Obergeschoß kurz nach Mitternacht bewusst einen Brand gelegt zu haben. Bevor er in der Nacht seine Wohnung verlassen hat, soll er mehrere elektronische Geräte mit Decken abgedeckt, dadurch eine technische Überhitzung erzeugt und so einen Brandherd verursacht haben. Dabei soll er zumindest in Kauf genommen haben, dass sich der von ihm nicht zu kontrollierende Brand auf das komplette Gebäude ausdehnte. Zur Nachtzeit befanden sich in dem Haus zahlreiche schlafende Personen und es besteht der Verdacht, dass der Angeschuldigte billigte, dass einige von ihnen durch den Brand hätten versterben können. Glücklicherweise kamen bei dem Brand, bei dem unter anderem der komplette Dachstuhl ausbrannte und das zweite Obergeschoß gänzlich zerstört wurde, keine Bewohner zu Schaden. Der entstandene Sachschaden beläuft sich auf schätzungsweise 200.000,00 Euro.

In der Anklageschrift wird als mögliches Motiv für die angeklagte Tat davon ausgegangen, dass der Angeschuldigte beabsichtigte, gegenüber seiner Versicherung einen technischen Defekt als Brandursache vorzutäuschen um damit für sein versichertes Inventar zu Unrecht Versicherungsleistungen zu erhalten. In Umsetzung dieses möglichen Tatplanes meldete der Angeschuldigte noch am Brandtag seiner Versicherung den Brandschaden und machte nachfolgend ihm vermeintlich zustehende Ersatzansprüche in vermutlich nicht berechtigter Höhe von  76.694,00 Euro geltend. In Kenntnis des Tatverdachts gegen den Beschuldigten zahlte die Versicherung nicht.

Der Angeschuldigte bestreitet die Tatvorwürfe. Er hat angegeben zwar verschuldet zu sein, deswegen aber keine anderen Menschen zu töten. Er habe gegenüber der Versicherung keine falschen Angaben gemacht. 

Das Landgericht Münster hat über die Zulassung der Anklageschrift zu entscheiden.

 

Botzenhardt

Oberstaatsanwalt